23. Sep 2018, 17:00 Uhr
Städtische Galerie im Kornhaus 1. OG

Re/Enactment - Nachbilder des Dreissigjährigen Krieges

Till Ansgar Baumhauer

Till Ansgar Baumhauer
RE / ENACTMENT -
NACHBILDER DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES

23. September bis 20. Oktober 2018

Eröffung: Sonntag, 23. September 2018 17 Uhr

Begrüßung: Florian Stegmaier, Kurator

Einführung: Prof. Dr. Judith Siegmund, Hoschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart

Künstlergespräch mit Till Amsgar Baumhauer am Sonntag, 7. Oktober 15 Uhr

Kriege und vergleichbare Kollektiverfahrungen formen das kulturelle Gedächtnis von Gesellschaften über Generationen hinweg – auch wenn sich die konkreten Erinnerungen immer mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein verlieren. Doch wie können diese historischen Momente wieder in unser Blickfeld zurückgelangen? Wie gehen wir mit ihnen um, und wie können wir sie auf unsere heutige Lebenswelt beziehen?

Seit einiger Zeit erfreut sich das Re-Enactment, eine theatrale Möglichkeit, historische Geschehnisse neu zu inszenieren und dadurch erlebbar zu machen, wachsender Beliebtheit. Der in Kirchheim / Teck geborene und in Dresden lebende promovierte Künstler und Publizist Till Ansgar Baumhauer macht sich den Begriff hier jedoch auf einer anderen Ebene zunutze: Er recherchiert historische künstlerische Zeugnisse aus dem Dreißigjährigen Krieg (dessen Beginn sich 2018 zum vierhundertsten Mal jährt) und reinszeniert ihren künstlerischen Entstehungsprozess, indem er sie von Künstlern und Kunsthandwerkern aus anderen Kulturen interpretieren lässt. Die beteiligten Künstler haben hierbei alle gestalterischen Freiheiten, das visuelle Material in ihre eigenen Bildwelten zu überführen und dabei den ästhetischen Kriterien ihrer Kultur und ihrer eigenen künstlerischen Arbeit zu folgen. So entstehen bestenfalls neue Versionen weitgehend vergessener Bilder, die über die Möglichkeiten und Grenzen von visuellen Kulturen Auskunft geben können.

Dabei stellt sich auch die Frage, inwieweit diese über kulturelle Grenzen hinweg verständlich sein und wirksam werden können. Die in diesem Prozess entstehenden Kunstwerke sind damit „interkulturelle
Nachbilder auf der Netzhaut unserer Erinnerung“. Sie thematisieren, wie auch die anderen ausgestellten Arbeiten, kulturelle Erinnerung ebenso wie deren Verfremdung und Auslöschung.

Till Ansgar Baumhauer stellt den historischen Bilddokumenten aus dem Dreißigjährigen Krieg und ihren Interpretationen auch Zeugnisse von Krieg und Gewalt gegenüber, die unserer heutigen Lebenswelt entstammen – jedoch aus anderen Kulturen. Der weit über dreißigjährige Afghanistankonflikt, mit dem Baumhauer während seiner Aufenthalte in Herat (Westafghanistan) 2009-2011 in Berührung kam, bildet dabei den zentralen gestalterischen wie inhaltlichen Gegenpol zur frühen Neuzeit im heutigen Deutschland und bildet sich auch in der Materialität der künstlerischen Arbeiten, beispielsweise in Teppichen und Kalligrafien, ab.


vhs-Kulturring

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Mo geschlossen